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  • Know-how für Pflanze, Tier und Mensch: Das Jahr in der Naturschutzstation Osterzgebirge

Vier Naturschutzvereine – eine Mission: Die osterzgebirgische Natur und Landschaft bewahren, fördern, vermitteln. Auch im Krisenjahr 2020 blieb die Naturschutzstation dafür auf Kurs. Denn schließlich sind Artenerhalt und -vielfalt keine Selbstläufer in unserem dicht besiedelten Land.

Ganz praktisch hieß es also, kontinuierlich Vorkommen seltener Arten zu schützen, etwa durch Wiesenpflege-Einsätze. Ersteinrichtende Mahd oder zweite Mahd wegen der langen Vegetationsperioden halfen Pflanzenarten wie Feuerlilie, Trollblume, Breitblättrigem Knabenkraut, Rundblättrigem Sonnentau, Sumpf-Sitter und und und… Die Biotope, die dabei gefördert werden, sind Bergwiesen, Borstgrasrasen, Nasswiesen, Moore und andere. Nicht-heimische Arten zurückzudrängen, gehörte ebenfalls zu den wiederholten Aufgaben. „Lupinenstechen“ hat sich inzwischen als geflügeltes Wort in der Naturschutzstation etabliert; Werkzeuge wie der „Ampferstecher“ spielen dabei eine Rolle.

Für das gesamte nordöstliche Drittel des Naturraumes Osterzgebirge planten, organisierten und stemmten einerseits Fachleute der Naturschutzstation diese Einsätze, andererseits halfen dabei auch Studenten, Azubis oder Oberstufenschüler im Zusammenhang mit Umweltbildungseinsätzen. Kommunikation mit Eigentümern zu pflegender Flächen bildete einen großen Arbeitsposten, außerdem die Antragstellung für Förderungen.

Und wo sind sie nun, die ersehnten Arten? Sie zu finden und zu dokumentieren, war ein weiterer Pfeiler der Stationsarbeit: Weißstörche und ihre Brut aufnehmen, Haselmausspuren aufspüren, Steinrücken und ihre Artenvielfalt sowie andere Pflanzen- und Tierarten akribisch registrieren. Sichtungen konnten für Fachdatenbanken bereitgestellt werden, um das Gesamtbild zu vervollständigen.

Einen Arbeitsbereich holte das Krisenjahr dennoch verstärkt ein: Umweltbildung und Veranstaltungen. Leider entfielen zahlreiche Aktionen, obwohl sich in den letzten Jahren wichtige Kooperationen gebildet haben. Zum Beispiel mit der Kita Cunnersdorf, den Grundschulen Altenberg und Berggießhübel. Wann immer möglich, ließ letztere ihren Sachunterricht regelmäßig und unter großem Zuspruch von einer Mitarbeiterin der Naturschutzstation unterstützen.

Einige Exkursionen konnten in der Sommersaison dennoch stattfinden, etwa zu Bergwiesenbiotopen, zu Rosengewächsen und zur Hirschbrunft. Auch Freiwilligeneinsätze wie das Heulager, der deutsch-tschechische Einsatz am Lipská horá und gemeinsame Aktivitäten mit dem Glückauf-Gymnasium Altenberg/Dippoldiswalde erreichten Hunderte (junge) Menschen. Sogar ein Umwelttag mit dem Gymnasium war im Juli möglich: 15 Klassen, Schüler, Lehrer – über 300 Menschen im Einsatz für die Natur.

Quo vadis, Naturschutzstation? Ein Großteil der Förderung läuft in wenigen Tagen aus. Einen Koordinator, der die gemeinsamen Aktivitäten des Vereinsverbundes bündelt und lenkt, gibt es dann nicht mehr. Ob neue, grundlegende Förderungen fließen werden, ist völlig offen. Das Know-how der Naturschutzstations-Experten fließt derzeit vor allem in langwierige Antragsprozesse, um die aufgebaute Arbeit fortsetzen zu können. Denn eines braucht die Artenvielfalt hierzulande ganz sicher: „Kümmerer“, die sich nachhaltig für ihren Erhalt einsetzen.

Dass dieser Kurs richtig ist, bestätigen immerhin offizielle Anerkennungen, die sich im Jahr 2020 ergaben. Die Naturschutzstation wurde mit einem 3. Platz beim Preis „Verein des Jahres“ der Sparkasse Sachsen geehrt und erhielt zudem einen „eku-idee-Zukunftspreis“ des Sächsischen Staatsministeriums für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft. Das in der Naturschutzstation angesiedelte Projekt „Osterzgebirge entdecken, Flächen pflegen, Gutes schmecken“ erarbeitete sich eine Auszeichnung als Vorzeigeprojekt der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“.

Wie es diesem Projekt 2020 erging, beschreiben die Verantwortlichen Ron Günther und Henriette Schmidt so:

„Was machen wir hier eigentlich?“ Dieser selbstkritisch-ehrlichen Frage stellten wir uns so manches Mal in diesem Jahr. Dabei waren und sind die Herausforderungen, die uns beschäftigen, nicht ausschließlich auf die diesjährigen Pandemiebedingungen zurückzuführen.

Der von uns im Frühjahr im Landkreisboten veröffentlichte und auch per Brief verschickte Fragebogen im Rahmen der von Frank Lochschmidt erstellten „Potentialanalyse Bergwiesenheu im Osterzgebirge“ stieß auf wenig Resonanz. Zudem fiel der dazu geplante Workshop coronabedingt aus. Ein Zusammenkommen und Austausch der Landwirte nicht nur mit uns, sondern auch untereinander ist aber für das Vorankommen des Projektes fast unabdingbar. Dies trifft ebenso auf die Info-Veranstaltung zur „Schafhutungskonzeption im oberen Müglitztalgebiet“ zu, die leider kurzfristig abgesagt werden musste. Die Vereinbarung von Terminen, insbesondere bei noch unbekannten Akteuren, gestaltete sich übers Jahr hinweg als anspruchsvoll, da viele neben dem gewöhnlichen Arbeitspensum zusätzliche Probleme zu bewältigen hatten.     

Also alles vergebens? Mitnichten! Was haben wir eigentlich alles geschafft?

Im Frühjahr wurden wir vom Schellerhauer Ortsvorsteher Ingo Rümmler in die Ortschaftsratssitzung eingeladen und informierten über das Projekt und die naturschutzgerechte Wiesen- und Steinrückenpflege. Infolge dessen kam schließlich eine von uns vermittelte Kooperation zwischen der ansässigen SAG Sadisdorfer Agrar AG und der Schäferei Körtel (Sven Körtel, Bienhof / Oelsen) zustande. Er bewirtschaftet nun seit Frühjahr 2020 mit seiner Zackelschafherde teils sehr wertvolle Grünlandflächen in Schellerhau. Durch die Vermittlung zur Unteren Naturschutzbehörde Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (UNB SOE) erfolgte auch die Durchführung einer Pflegemahd auf besonders artenreichen Flächen.

Mit den Mitarbeitern der UNB besteht auch eine Zusammenarbeit im Hinblick auf die naturschutzfachgerechte Pflege defizitärer Flächen. Grundlage bilden die aufwendig im Projekt zusammengetragenen Daten, die zu einer handhabbaren Übersicht aufbereitet wurden. Dazu gehörten auch Begehungen, Besichtigungen, Fotos und Karten, die in der Übersicht dokumentiert werden. Anschließend kam es zu einer Vielzahl an Kontaktaufnahmen, Telefonaten und Treffen mit Eigentümern und Pächtern. Oder auch nicht, denn so manches Mal konnte kein Eigentümer ermittelt werden oder das Interesse der Akteure ist schlicht zu gering. Andere Eigentümer zeigten sich dagegen sehr interessiert und so konnten wir mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn es um die Gefährdungen, Maßnahme-Optionen und Pflegekonzepte der Flächen ging. Unterstützung leistete das Projekt auch durch den Verleih von Mähtechnik. Dadurch wurde die Pflege von wertvollen Flächen gefördert oder überhaupt erst möglich gemacht.

Also doch gar nicht so wenig, denn längst nicht alles wurde hier aufgeführt. Wie sind die Aussichten? Für das kommende Jahr steht der Start der „Heubörse“ an. Das Treffen mit Akteuren wird hoffentlich wieder an Schwung aufnehmen, so dass auch das Konzept eines Regionalsiegels konkretere Gestalt annimmt. Und weitergehen wird es sicherlich auch mit der Umsetzung der Hüteschafkonzeption.  

Auch wenn es im Moment alles andere als rund läuft, schenken uns die Erfolge die Motivation, uns weiterhin gemeinsam für den Naturschutz im Osterzgebirge einzusetzen. 

Allen Lesern ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Start ins Jahr 2021 wünscht

Das Team der Naturschutzstation Osterzgebirge


© Naturschutzstation Osterzgebirge. Alle Rechte vorbehalten.
Online: https://www.naturschutzstation-osterzgebirge.de/ [Stand: 23.04.2021]