Projekte & Aufgaben

Dieser Steinrücken am Luchberg ist Teil des Modellprojektes (Foto: S. Heinz)

Modellprojekt „Anlage von Lesesteinbiotopen im steinreichen Osterzgebirge auf landwirtschaftlich genutzten Flächen“

Projektlaufzeit: 1.9.2021 bis 31.12.2022

>> Tipp: Infos zu den einzelnen neuen Steinrücken finden Sie hier

Steinrücken im Osterzgebirge haben eine lange Tradition. Die Anfänge gehen auf das 12. und 13. Jahrhundert zurück. Sie sind ursprünglich aus einem ganz praktischen Ansatz entstanden: Im steinreichen Osterzgebirge waren sie den Bauern bei der Bestellung der Felder einfach im Weg und wurden kurzerhand an den Grenzen der Ackerfluren abgelegt. So kamen Jahr für Jahr immer neue Steine hinzu und lange Steinwälle prägten von nun an das Bild des Osterzgebirges. Dass daraus artenreiche Biotope entstanden, die heute nach §21 SächsNatSchG geschützt sind, ist ein mehr als positiver Nebeneffekt.

Die Steinrücken wuchsen und mit ihnen auch die botanische und faunistische Ausstattung. Andererseits wurden bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts Steinrücken zur Baustoffgewinnung bzw. zum Ausbessern der Wege auch wieder abgetragen. Ansonsten aber wurden diese Lesesteine als nahezu nutzlos angesehen, weil es sich meist um minderwertiges, stärker verwittertes Material handelt. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft wurden viele als Bewirtschaftungshindernis empfundene Steinrücken beseitigt.

Mit der Zeit verwandelten sich die ehemals sonnenbeschienenen Steinwälle in beschattete "Lesesteinbiotope". Lichtliebende und seltene Gehölze und Samenpflanzen wie z.B. Wildapfel, Feuerlilie und Busch-Nelke hatten das Nachsehen. Daher gibt es z.B. in der Förder-Richtlinie NE/2014 die Möglichkeit, Steinrückenpflege mit Gehölzentnahme bzw. Auslichtung zu finanzieren. Für die Neuanlage solcher Landschaftselemente fehlt eine derartige Fördermöglichkeit bislang.

In den letzten Jahren kamen von verschiedenen Landwirten Nachfragen, ob es möglich sei, bei der Neuanlage von Lesesteinbiotopen unterstützt zu werden. Denn heute fallen bei der landwirtschaftlichen Flächennutzung durch größere Bearbeitungstiefen teils noch größere Mengen von Steinen an als früher. Diese werden meist nicht am Feldrand zu ökologisch wertvollen Steinrücken aufgeschichtet, sondern teuer entsorgt, zwischengelagert oder einfach auf eine alte Steinrücke verkippt.

Deshalb suchten wir nach finanzieller Unterstützung für die Neuanlage von Steinrücken - und wurden bei der Förderrichtlinie „Nachhaltig aus der Krise“ fündig.

Im Projekt wurden an drei - zum Teil historischen - Standorten (Liebenau, Luchberg, Johnsbach/Falkenhain) mit unterschiedlichem geologischen Hintergrund neue Steinrücken angelegt bzw. verlängert. Erste sparsame Pflanzungen gehörten dazu, um Raum für die Ansiedlung spezieller Pflanzen zu schaffen. Die Steinwälle wurden teilweise mit Blühstreifen abgepuffert, um vor allem an den Hängen zu vermeiden, dass nahrhafter Ackerboden hier zu viele Nährstoffe anreichert. Eine jeweils standortspezifische Tafel informiert zur Projektumsetzung.

Zum Abschluss des Projektes fand zusammen mit Vertretern des Ministeriums, dessen Fachbehörde LfULG sowie den beteiligten Agrargenossenschaften eine Exkursion zu den drei Standorten statt, um zur Umsetzung des Projektes zu informieren sowie die Etablierung einer ständigen Fördermöglichkeit zu diskutieren.

Antje Lindner

„Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.“

Exkursion zu einem neu angelegten Steinrücken (Foto: S. Klingner)Blühstreifen an einem Steinrücken (Foto: A. Lindner)Besucher am Blühstreifen (Foto: S. Heinz)Blühstreifen an einem neuen Steinrücken (Foto: A. Lindner)Tagpfauenauge am Blühstreifen (Foto: S. Heinz)Landkärtchen am Blühstreifen (Foto: A. Lindner)historischer Steinrücken (Foto: S. Heinz)
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